Für dieses Interview habe ich Daniel Schöberl, unter anderem bekannt von Rucksackträger.com, für euch zu seinem Start und seiner Arbeit als ortsunabhängiger Unternehmer interviewt. Daniel ist seit Anfang 2016 als Digitaler Nomade in der Welt unterwegs und unterstützt dabei Kunden im digitalen Sportmarketing und setzt auch selbst immer wieder spannende, eigene Projekte um. Doch lest einfach selbst:

Als digitaler Nomade um die Welt: Kundenaufträge und eigene Projekte kombinieren

Digitale Nomaden, ortsunabhängiges Online Business

TravelWorkLive: Lieber Daniel, stell dich und deine Arbeit doch einfach mal kurz vor.

Daniel: Ich bin Daniel, 35 Jahre alt, komme ursprünglich aus dem idyllischen Bad Brückenau in Unterfranken und bin seit April 2016 als Digitaler Nomade unterwegs.

Bevor ich mich selbstständig gemacht habe, war ich mehr als vier Jahre, unter anderem als Head of Social Media, in einer Online Marketing-Agentur tätig. Dort merkte ich, dass es mit einer guten Internetverbindung und bestimmten Tools doch eigentlich gar kein Problem sein sollte von überall aus zu arbeiten. Außerdem wollte ich als Sportmanagement-Absolvent wieder tiefer ins Sportmarketing einsteigen. So blieb mir nichts anderes übrig als mich selbstständig zu machen, um meine Leidenschaften für den Sport, das Reisen und das digitale Marketing miteinander zu verbinden.

Mein Geld verdiene ich primär mit Dienstleistungen im digitalen Sportmarketing. Außerdem ist es mir wichtig, noch genügend Zeit für eigene Projekte zu haben, um diese voranzutreiben und Ideen direkt in die Tat umzusetzen. Alles in allem ein bunter Mix aus spannenden Kunden und motivierenden Projekten.

TravelWorkLive: Was können sich unsere Leser unter digitalem Sportmarketing vorstellen?

Daniel: Der Fokus meiner Arbeit liegt, wie bereits erwähnt, auf dem digitalen Sportmarketing. Das bedeutet, dass ich vorzugsweise mittelständische Unternehmen, die einen Bezug zum Sport haben, dabei unterstütze digital besser aufgestellt und im Internet präsenter zu sein. Dazu zählt unter anderem die allgemeine Beratung hinsichtlich verschiedener Digitalisierungsstrategien, aber auch operative Tätigkeiten in den Bereichen Social Media, Performance Marketing und Corporate Blogging nehmen einen Großteil meiner täglichen Arbeitszeit ein.

Auf die Plätze, fertig, los!: Erfolgreich ins digitale Sportmarketing starten
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TravelWorkLive: Du hattest erwähnt, dass dir auch eigene Projekte sehr wichtig sind. Erzähl uns gerne ein bisschen mehr dazu.

Daniel: Bei Kundenprojekten halte ich mich bedeckt, aber ich habe mich natürlich auch selbstständig gemacht, um eigene Projekte ins Rollen zu bringen. Einige davon sind längst wieder Geschichte, weil sie einfach nicht funktioniert haben. Mit anderen bin ich dagegen sehr zufrieden. Zum Beispiel mit Rucksackträger, einem Outdoor- und Reiseblog, in dem ich seit zwölf Jahren über sportliche Outdoorabenteuer und meine Reisen schreibe.

Langweilig wird mir daher nicht, denn es kommen regelmäßig neue Projekte hinzu – von denen manche leider auch schnell wieder in der Versenkung verschwinden oder doch eher stiefmütterlich behandelt werden.

Ortsunabhängiges Arbeiten - Daniel, Brasilien 2014

Leben als digitaler Nomade: Reisen und Fitness vereinen

TravelWorkLive: Arbeitest du meist von einem Ort aus oder nutzt du die Freiheit deiner Arbeit auch, um viel zu reisen? Und wenn ja, hast du einen Lieblingsort?

Daniel: Für mich ist der größte Luxus des digitalen Nomadentums, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann und ortsunabhängig bin. Das nutze ich voll aus, um ständig neue Länder zu entdecken und von dort aus zu arbeiten oder an bisherige Lieblingsorte zurückzukehren. Zwei davon sind zum Beispiel Taghazout in Marokko oder Chiang Mai in Thailand, obwohl Letzterer mittlerweile – gefühlt – aus allen Nähten platzt und überhaupt nicht mehr mit dem Chiang Mai vergleichbar ist, das ich 2007 und 2008 noch als Backpacker bereiste.

Für mich ist der größte Luxus des digitalen Nomadentums, dass ich mir meine Zeit frei einteilen kann und ortsunabhängig bin.

Porto, Valencia und Tallinn haben mir ebenfalls extrem gut gefallen, aber einen wirklichen Lieblingsort habe ich nicht. Vielleicht sogar die Heimat, denn manchmal vergessen wir, wie schön es doch eigentlich bei uns zu Hause ist.

TravelWorkLive: Du machst ja sehr viel und gerne Sport (Ski/Laufen/Tough Mudder/Radfahren etc.), was mit Reisen manchmal schwierig vereinbar ist – kannst du deine Hobbies trotzdem gut mit deinem ortsunabhängigen Business verbinden? Und wenn ja, wie?

Daniel: Da ich die meiste Zeit – teilweise wie ein nasser Sack – vor dem Laptop sitze und der Sport schon immer einen hohen Stellenwert bei mir hatte, gehört das (fast) tägliche Auspowern einfach dazu. Mit auf Reisen habe ich daher immer mein Fitnessband. Mit den richtigen Übungen kann man damit problemlos ein Fitnessstudio ersetzen und alle Körperpartien trainieren.

Ansonsten passe ich mich sportlich an die örtlichen Gegebenheiten an. In Sri Lanka oder auf Bali steht dann zum Beispiel das Surfen im Fokus, in den Alpen wieder das Wandern oder Trailrunning. In fußballverrückten Ländern wie Brasilien ist man sehr schnell mal Teil einer Beachsoccer-Mannschaft. Ausreden gibt's daher keine, zumal Laufen oder Radfahren sowieso überall möglich ist – und notfalls muss halt doch das Fitnessband herhalten.

Vorzüge und Nachteile vom ortsunabhängigen Online Business

TravelWorkLive: Was gefällt dir am ortsunabhängigen Arbeiten am meisten?

Daniel: Dass ich meinen Arbeitsplatz wechseln kann, wann immer ich möchte, ist neben der freien Zeiteinteilung der größte Luxus. Ein regelmäßiger Tapetenwechsel ist wichtig für mich, um bei Laune zu bleiben, produktiv Tasks abzuarbeiten und kreativ zu sein. Durchgehend am gleichen Schreibtisch zu sitzen, wie früher im Angestelltenverhältnis, wäre für mich aktuell unvorstellbar. Es muss also nicht immer in die Ferne gehen. Der Wechsel vom Coworking Space oder Homeoffice ins Café um die Ecke reicht manchmal vollkommen aus.

Ein regelmäßiger Tapetenwechsel ist wichtig für mich, um bei Laune zu bleiben, produktiv Tasks abzuarbeiten und kreativ zu sein.

TravelWorkLive: Gibt es aus deiner Sicht auch Nachteile am ortsunabhängigen Arbeiten? Wenn ja, welche sind das?

Daniel: Alles in allem überwiegen die Vorteile bei Weitem, aber es gibt auch einige Nachteile. Einer ist zum Beispiel, dass ich zwar die Freiheit habe, an die schönsten Ecken der Welt zu reisen, aber dennoch auf gutes Internet angewiesen bin. Daher fallen besonders exotische Ziele in abgelegene Gebiete (noch) raus.

Außerdem bewege ich mich durch das viele Reisen in einer Art Small-Talk-Gesellschaft. Das bedeutet, dass tiefgründige Freundschaften nicht wirklich entstehen, wenn ich alle drei bis vier Wochen das Reiseziel wechsele. Manchmal ist es dann in der Tat etwas lästig, die immer gleichen Fragen zu beantworten (Was machst du so? Wo warst du bisher? Wie lange bleibst du?). Da das Netzwerk aber nach und nach wächst und ich oft die gleichen Leute wieder treffe, ist das aber gerade Motzen auf ziemlich hohem Niveau.

Ortsunabhängiges Arbeiten - Daniel, Sri Lanka 2018 (2)

Das eigene ortsunabhänige Business starten

TravelWorkLive: Was war für dich die größte Herausforderung beim Start in dein ortsunabhängiges Business? Hast du dir irgendwas leichter vorgestellt, als es letztendlich war?

Daniel: Anders als einfach ins kühle Nass zu springen, war mir bereits zwei Jahre vor meiner Selbstständigkeit klar, dass ich ortsunabhängig arbeiten möchte. Daher habe ich langsam auf den Zeitpunkt des Absprungs hingearbeitet und das letzte Jahr in meinem Angestelltenverhältnis nur noch in Teilzeit gearbeitet. Als es dann soweit war, hatte ich auch schon erste kleine Kunden. Das hat mir den Einstieg definitiv erleichtert.

Dadurch, dass ich mir auch ein bestimmtes Budget angespart hatte, konnte ich ohne allzu großen Druck von Südostasien aus mein eigenes Business aufbauen bzw. erweitern. Das Schlimmste was hätte passieren können, wäre gewesen, dass ich mich ein paar Monate später wieder hätte bewerben müssen.

Dadurch, dass ich mir auch ein bestimmtes Budget angespart hatte, konnte ich ohne allzu großen Druck von Südostasien aus mein eigenes Business aufbauen bzw. erweitern.

Digitales Nomadentum auch für die Zukunft?

TravelWorkLive: Wo befindest du dich im Moment und wo soll’s als nächstes hingehen?

Daniel: Aktuell bin ich sogar in der Heimat unterwegs, nachdem ich in den vergangenen Monaten von Estland, Menorca und Montenegro aus gearbeitet habe. Wo es als nächstes hingeht ist noch nicht ganz klar, aber aller Voraussicht geht es zuerst in die Alpen, im Anschluss nach Portugal und danach für längere Zeit Mexiko. Aber so ganz genau weiß ich das auch noch nicht, da ich doch recht spontan plane.

TravelWorkLive: Gibt’s schon Pläne, wo du dich und deine Arbeit in 5-10 Jahren siehst? Z.B. (immer noch) im Ausland?

Daniel: Soweit denke ich (noch) nicht, aber ich weiß, dass ich dann voraussichtlich kein Digitaler Nomade mehr sein werde. Der Lifestyle ist zwar sehr schön und abwechslungsreich, aber nach mehr als drei Jahren mache ich mir doch so langsam meine Gedanken, wo es mich langfristig hinverschlägt. Eine eigene Wohnung, ein festes soziales Netz und in der Nähe von Freunden und der Familie zu sein ist nämlich ebenfalls ein großer Luxus – langfristig gesehen vielleicht sogar der größte.

Eine eigene Wohnung, ein festes soziales Netz und in der Nähe von Freunden und der Familie zu sein ist nämlich ebenfalls ein großer Luxus – langfristig gesehen vielleicht sogar der größte.

Selbstständig bleiben möchte ich aber auf alle Fälle, eventuell eine eigene Agentur gründen und dennoch die Option haben, immer mal wieder in ferne Länder ausbrechen zu können.

Ortsunabhängiges Arbeiten - Daniel, Chiang Mai Thailand 2016

Tipps für das ortsunabhängige Online Business

TravelWorkLive: Gibt es ein Tool, auf das du bei deiner Arbeit nicht mehr verzichten könntest?

Daniel: Da gibt es gleich mehrere. Zur Kommunikation mit meinen Kunden geht nichts über Skype und Slack. Außerdem bin ich ein großer Fan von Evernote, wo ich all meine Notizen festhalte, Blogartikel offline schreibe und für mich relevante Artikel aus dem Netz speichere. Damit ich keine Termine vergesse, nutze ich den Google Kalender und für all meine Tasks nehme ich flocus. Das Set-Up habe ich nun schon eine ganze Weile und komme damit auch richtig gut klar.

TravelWorkLive: Hast du sonst noch Tipps für Leute, die überlegen sich ein ortsunabhängiges Business aufzubauen?

Daniel: Der Hype um das digitale Nomadentum ist riesig, was gleichzeitig auch eine Gefahr darstellt. Zwar sind die Möglichkeiten durch die Digitalisierung enorm, aber von 0 auf 100 zu gehen, ist trotzdem sehr riskant. Eine gute Möglichkeit ist es, sein eigenes Business als so genannter Sidepreneur, also neben dem eigentlichen Job aufzubauen. Das ist zwar neben der normalen Arbeit etwas stressig, hat bei mir aber sehr gut geklappt und ist definitiv eine der sicheren Varianten.

Außerdem bin ich immer etwas vorsichtig mit der Aussage, dass man seine Leidenschaft zum Beruf machen sollte. Daran gibt es an und für sich nichts Verwerfliches, allerdings habe ich auch schon einige Leute kennengelernt, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und dann die Lust am eigentlichen Hobby verloren haben. Also gut überlegen, was man kann, was man will und wen man kennt, der einem weiterhilft. Insbesondere Mentoren und die Teilnahme an einer Mastermind-Gruppe haben mir sehr weitergeholfen, da mich diese einige Male auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben.

Vielen Dank Daniel für das tolle Interview und deine Erfahrungen, Meinung und Tipps!

Lese-Empfehlung zum Einstieg für Digitale Nomaden:

Das Handbuch für digitale Nomaden: Selbstbestimmt leben – ortsunabhängig arbeiten
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Das Handbuch für digitale Nomaden: Selbstbestimmt leben – ortsunabhängig arbeiten
  • Sebastian Kühn
  • Herausgeber: Redline Verlag
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten