So wählen Sie das richtige Kameraobjektiv für Ihren Fotostil aus

So wählen Sie das richtige Kameraobjektiv für Ihren Fotostil aus

Objektivkauf kann frustrierend sein. Hunderte Modelle, jedes mit eigenen Spezifikationen, und Verkäufer, die behaupten, genau zu wissen, was gebraucht wird. Die kurze Antwort: Es kommt darauf an. Ein Hochzeitsfotograf braucht etwas völlig anderes als jemand, der Landschaften fotografiert. Ein Ratgeber für Sigma Objektive hilft oft beim Einstieg, weil Sigma eine breite Palette abdeckt – von Budget-Optionen bis zu professionellen Art-Objektiven.

Der Kameramarkt macht gerade etwas Seltsames durch. Zwischen 2010 und 2020 brachen die Verkäufe um über 80 Prozent ein (laut CIPA-Daten). Jeder dachte, Smartphones würden Kameras komplett ersetzen. Dann kam 2025. Branchenberichte schätzen den globalen Fotomarkt je nach Abgrenzung 2023/2024 grob im niedrigen dreistelligen Milliardenbereich; Projektionen bis 2030/2032 liegen oft bei moderatem Wachstum (~4-6 % CAGR).

Warum der Umschwung? Content-Creator. Instagram, YouTube, TikTok – alle brauchen bessere Bildqualität als Smartphones liefern können. Besonders der Bokeh-Effekt (unscharfer Hintergrund) treibt Verkäufe. Smartphones simulieren das mit Software, aber erfahrene Fotografen erkennen den Unterschied in der Regel sofort.

Welches Objektiv passt zu welchem Fotostil?

Porträtfotografie zählt zu den größten Segmenten. Branchenquellen beziffern Porträtfotografie grob im zweistelligen Milliardenbereich; Zenfolio führt sie 2025 als eines der größten Segmente. Die bevorzugte Brennweite? 85 mm mit f/1.4 oder f/1.8. Warum? Gesichter sehen natürlich aus, keine Weitwinkel-Verzerrung. Ein 85-mm-Objektiv kostet zwischen 350 Euro (Drittanbieter) und 1.800 Euro (Premium-Marken). Preisunterschiede zeigen sich vor allem bei Bauqualität, Autofokus und teils auch bei optischer Leistung (v. a. bei Offenblende). Fotografen, die mit Canon arbeiten, haben Glück. Die Auswahl an Canon-Objektiven ist riesig, sowohl von Canon selbst als auch von Sigma, Tamron und anderen Drittanbietern. Die Bandbreite an Canon-Objektiven deckt praktisch jede denkbare Situation ab.

Landschaftsfotografie ist anders. Weitwinkel zwischen 16 mm und 35 mm dominieren, wobei häufig lichtstarke Weitwinkel um 20-24 mm zum Einsatz kommen. Sie fangen weite Szenen ein, ohne extreme Verzerrung. Für Aufnahmen von Nordlichtern sind große Blendenöffnungen wie f/1.4 entscheidend, um kurze Belichtungszeiten zu ermöglichen und Bewegungsunschärfe zu vermeiden.

Hochzeitsfotografie ist komplizierter. Der globale Markt für Hochzeits-Dienstleistungen wird von Fortune Business Insights in dieser Größenordnung angegeben. Fotografen brauchen mindestens zwei Objektive: ein 24-70-mm-f/2.8-Zoom für Gruppenaufnahmen und Übersichten, plus ein 70-200-mm-f/2.8-Zoom für Nahaufnahmen während der Zeremonie. Warum zwei? Weil Objektivwechsel während kritischer Momente zu verpassten Aufnahmen führen. Viele Profis nutzen zwei Kameras gleichzeitig – eine an jeder Schulter – was Objektivwechsel in Schlüsselmomenten reduziert.

Street-Fotografie bevorzugt Kompaktheit. 35 mm oder 50 mm Festbrennweiten. Henri Cartier-Bresson fotografierte fast sein ganzes Leben mit einem 50 mm. Moderne Street-Fotografen wie Alan Schaller (London-basiert, mit über einer Million Instagram-Followern) nutzen ebenfalls 50 mm, weil es unauffällig ist und der natürlichen Perspektive des menschlichen Auges nahekommt.

Prime vs. Zoom: Die Debatte, die nie endet

Diese Diskussion läuft seit den 1960er Jahren. Beide Seiten haben Recht, je nach Kontext.

Prime-Objektive liefern oft schärfere Bilder. Weniger Glaselemente bedeuten weniger optische Kompromisse. Ein Canon 50 mm f/1.8 kostet je nach EF/RF-Version etwa 125-225 Euro und liefert Bilder, die mit einem 800-Euro-Zoom konkurrieren können. Das Gewicht? 160 Gramm. Ein 24-70-mm-f/2.8-Zoom wiegt 805 Gramm (Canon EF-Version) oder 900 Gramm (Canon RF-Version). Nach einem achtstündigen Hochzeits-Shooting macht das einen Unterschied.

Die Blende ist der andere Vorteil. Während Zooms typischerweise bei f/2.8 oder f/4 stoppen, bieten Primes f/1.8, f/1.4 oder sogar f/1.2. Das bedeutet drei- bis viermal mehr Licht. Bei einem Indoor-Event ohne Blitz kann das den Unterschied zwischen ISO 800 und ISO 6400 ausmachen. Die Bildqualität bei ISO 6400 kann sichtbar nachlassen – je nach Kameramodell und Nachbearbeitung.

Zooms bringen Flexibilität. Einige Fotojournalisten betonen die Flexibilität von Zooms bei wechselnden Situationen, weil sich Momente zu schnell ändern, um Objektive zu wechseln. Der bekannte Fotograf Steve McCurry (berühmt für das „Afghan Girl“-Foto) ist ein Beispiel für jemanden, der beide Ansätze schätzt.

Die Entscheidung? Hängt vom Workflow ab. Studio-Porträts? Prime. Hochzeiten, Events, Reisen? Zoom. Viele Profis nutzen beide – ein 35-mm-Prime für alltägliche Aufnahmen, ein 24-70-mm-Zoom für unvorhersehbare Situationen.

Sigma vs. Tamron: Zwei Wege, eine Branche

Die Salon de la Photo im Oktober 2025 in Paris zeigte eine interessante Spaltung. Sigma und Tamron, beide große Dritthersteller, präsentierten völlig gegensätzliche Strategien.

Sigma bestätigt anhaltende Nachfrage nach Reflex-Optiken (teils via Adapter) und spricht von Lieferketten-/Komponenten-Themen. Foucauld Prové, Managing Director bei Sigma Frankreich, erklärte Phototrend im Oktober 2025, dass die Produktion durch Komponentenknappheit begrenzt wird, nicht durch Nachfrage. Diese Strategie zeigt, dass Sigma weiterhin einen Markt für DSLR-Objektive sieht, auch wenn die Branche größtenteils auf spiegellos umsteigt.

Tamron ging den entgegengesetzten Weg. Jean-Christophe Thiry, Präsident von Tamron Frankreich, bestätigte auf derselben Messe, dass der Fokus vollständig auf spiegellosen Mounts (E, Z, RF-S) liegt und DSLR-Objektive nur noch als Restbestände verfügbar sind. Einige Modelle wie das SP 24-70 mm f/2.8 G2 (gelauncht Juni 2017) sind noch erhältlich. Die Begründung? Die Nachfrage nach DSLR-Objektiven ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken, wie aus Branchenberichten hervorgeht.

Beide Strategien sind nachvollziehbar. CIPA-Zahlen zeigen, dass der Marktanteil spiegelloser Systeme den ILC-Bereich dominiert. Gleichzeitig gibt es noch einen Markt für DSLR-Objektive, besonders durch Adapter-Nutzung.

Ein Praxisbeispiel: Der britische Landschaftsfotograf Thomas Heaton (YouTube: rund 600.000 Abonnenten) nutzt regelmäßig Sigma-Objektive für seine Arbeit in anspruchsvollen Umgebungen wie den schottischen Highlands. Seine Erfahrungsberichte heben die Robustheit und optische Leistung der Sigma Art-Serie hervor, selbst unter widrigen Wetterbedingungen. Solche Tests unter realen Bedingungen sind wertvoller als Labormessungen.

Kaufentscheidung: Drei konkrete Schritte

Objektive sind Langzeitinvestitionen. Ein gut gepflegtes Objektiv hält 15-20 Jahre. Drei Schritte helfen bei der Entscheidung.

Erstens: Fotostil ehrlich bewerten. Nicht den gewünschten Stil, sondern den tatsächlich praktizierten. Wer 90 Prozent Porträts fotografiert, braucht kein 16-mm-Weitwinkel. Klingt offensichtlich, aber Foren sind voll von Fotografen, die Objektive gekauft haben, die dann im Schrank liegen. In Foren finden sich zahlreiche Anekdoten über teure Telekäufe, die dann kaum genutzt werden.

Zweitens: Budget realistisch planen. Preisunterschiede zwischen vergleichbaren Objektiven können erheblich sein. Ein Nikon 35 mm f/1.8 kostet typischerweise um 600 US-Dollar, während ein f/1.4-Pendant deutlich teurer ist – oft das Zwei- bis Dreifache. Der Unterschied ist eine halbe Blendenstufe. Rechtfertigt das den höheren Preis? Nur wenn regelmäßig bei extrem schwachem Licht fotografiert wird. Für die meisten Nutzer? Nein.

Drittens: Mieten vor dem Kauf. Lensrentals und ähnliche Dienste vermieten professionelle Objektive für Tests unter realen Bedingungen. Ein Canon 400 mm f/2.8 kostet etwa 485-495 US-Dollar pro Woche zu mieten, verglichen mit einem Kaufpreis von fast 12.000 US-Dollar. Das Mieten ermöglicht Tests bei einem Sportevent, einer Safari oder einem Konzert, bevor eine große Investition getätigt wird. Grover bietet ähnliche Services in Europa an, mit Einstiegspreisen ab grob 50 Euro pro Woche (je nach Modell/Verfügbarkeit).

Die Branche entwickelt sich schnell. Neue Technologien kommen ständig. Aber Grundprinzipien bleiben: Das beste Objektiv passt zum Stil und Budget. Nicht das teuerste. Nicht das neueste. Das passende. Und manchmal braucht es zwei oder drei Versuche, bis das richtige gefunden wird. Oder vier.

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