Eine Karriere als Redner ist ziemlich aufregend. Du hast die Möglichkeit, anderen Menschen etwas beizubringen über ein Thema, das dir sehr am Herzen liegt. Aber wie schaffst du es, als Redner für Events gebucht zu werden und auch entsprechend bezahlt zu werden?

Als Reiseblogger und online Entrepreneur stehe ich mehr als 10 Mal im Jahr auf der Bühne, und das auf den verschiedensten Veranstaltungen weltweit. Ich habe schon Workshops für die Lufthansa gegeben, als Keynotespeaker auf Mittarbeiterveranstaltungen wie dem Piper Verlag gesprochen und auf der ITB spreche ich nun schon zum vierten Mal in Folge. Wie aber werde ich gefunden und gebucht für diese verschiedenen Veranstaltungen? Und wie viel bezahlt man mir dafür?

Einfach nur auf einer Bühne zu stehen und etwas über sich zu erzählen, können viele. Das Ganze aber professionell betreiben, Menschen inspirieren und informieren, und dafür auch noch bezahlt zu werden, dass können die Wenigsten!

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen einem, der vorträgt, und einem Redner. Viele von uns wurden schon einmal gefragt, auf einer Bühne etwas zu erzählen, meistens jedoch unentgeltlich. Was ist also der ausschlaggebende Punkt, wenn Kunden bereit sind, jemanden etwas zu bezahlen, damit dieser sich auf die Bühne stellt und redet?

Als Redner gebucht werden

In diesem Beitrag lernst du, wie du deiner Redner-Karriere einen kleinen Push in die richtige Richtung geben kannst:

1. Habe ein klares Thema als Redner

“Egal was, ich kann über alles einen Vortrag halten!” Das höre ich oft als Antwort, wenn ich Frage: “Worüber würdest du denn gerne reden?”

Das ist dann auch der Moment, an dem ich abschalte und nicht mehr zuhöre. Denn wenn ich z.B. einen Redner für meine Kampagne NBEFinland in Helsinki suche, dann möchte ich jemanden auf der Bühne haben, der ein Experte auf seinem Gebiet ist.

Das heißt, du solltest eine ganz klare Botschaft haben, über die du sprechen möchtest. Die großen Redner haben alle, je nach dem in welcher Phase sie sich befinden, ein Thema und verschiedene Vorträge mit Unterthemen, die zu dem Hauptthema gehören.

Das heißt nicht, dass du deine Themen nicht ändern kannst, sobald du dich für eins entschieden hast. Wir als Menschen wachsen und verändern uns ständig und somit auch unser Interesse. Ich spreche viel über Inspiration und Verwirklichung wie z.B. bei meinem TEDx Talk.

2. Habe eine klare Sprache

Ein Veranstalter kam mal auf mich zu und fragte mich, ob ich das Wort “Fuck” bitte nicht zu oft in meinem Vortrag nutzen könnte. Warum? Weil ich in meinen Vorträgen sehr offen und leidenschaftlich bin und das Wort Fuck einfach zu meinem Wortschatz gehört. Natürlich könnte ich sagen: “Jetzt geht raus und setzt was um!” oder ich könnte sagen: “Jetzt geht raus and FUCKING DO IT!”

Meine Talks sind inspirierend und informierend. Und wenn man mich bucht, muss davon ausgegangen werden dass ich, je nach Tagesstimmung, das Wort Fuck mal mehr, mal weniger benutze! Es ist aber ganz klar, dass dies passieren kann.

Schlimm ist, wenn ich das Wort Fuck oder Scheiße oder Kotzen nie benutzen würde und dann, wenn man es am wenigsten erwartet mit einbaue. Diese Blöße will sich keiner geben und Veranstalter wollen wissen, was sie zu erwarten haben.

Das heißt, habe eine klare Sprache und kommuniziere, was ein Veranstalter von dir erwarten kann!

P.S.: Ich habe während des Vortrages das Wort FUCK am Ende nicht genutzt. Hat bei dem Publikum einfach nicht gepasst!

3. Erstelle ein Video mit deiner Redner Erfahrung

Ich weiß, was du denkst: “Aber wie soll ich denn durchstarten, wenn ich überhaupt keine Erfahrung habe?”

Wenn du weißt, dass du auf einer Veranstaltung reden wirst, solltest du einen Freund fragen, dich dabei aufzunehmen. Aber nicht mit dem iPhone im Hochformat, sondern mit einer richtigen Kamera und auf einem Stativ. Das Ganze kannst du dann über ein Freelancer Portal outsourcen und in ein perfektes Video zusammenschneiden lassen und es auf deine Webseite hochladen, damit Veranstalter wissen, was du kannst, was dein Thema ist (siehe #1) und was für eine Sprache (siehe #2) du benutzt.

4. Erstelle dein Rednerprofil

Die großen Profis haben alle eins: eine PDF-Datei, die auf 1 bis 2 Seiten das Können und die Erfahrung als Redner zusammenfasst – wie ein Lebenslauf!

Was musst in dein Rednerprofil:

  • Kurze Bio über dich mit Links zum online Portfolio
  • Photo von dir (professionelles Photo in hoher Qualität)
  • Erwähnungen in der Presse
  • Zusammenfassung über die 2-4 Themen über die du sprichst (siehe #1)
  • Liste an vorherigen Veranstaltungen (bezahlt und unbezahlt)
  • Link zu deinem Video als Redner (siehe #3)
  • Evtl. Empfehlungsschreiben von Kunden
  • Liste an Auszeichnungen

Diese Datei kannst du auf deiner Webseite hinterlegen und auch an verschiedene Veranstaltungen schicken, die zu deinem Rednerprofil passen!

5. Starte umsonst

Wie so oft, ist es auch als Redner nicht einfach zu starten. Um sich einen ordentlichen Kundenstamm aufzubauen, musst du ab und zu auch mal umsonst arbeiten. Auch ich habe das am Anfang gemacht. Auf Veranstaltungen wie der ITB, der größten Reisemesse der Welt, erhalte ich auch keine Gage, aber ich habe die Möglichkeit mich als Experte zu positionieren. Das Ergebnis: ich habe nur durch meine Vorträge auf der ITB Aufträge in Höhe von über 50.000 Euro bekommen. Nicht schlecht für „Umsonst-Arbeiten“, oder?

Besonders am Anfang solltest du bereit sein etwas mehr zu arbeiten und auch mal für weniger. Das, was dir an Einnahmen am Anfang fehlt, kannst du in einigen Jahren dann auf deine Gage drauflegen. Außerdem solltest du eine Empfehlung von einem zufriedenen Kunden nicht unterschätzen, diese ist viel Wert!

Fange also klein an und erhöhe langsam deine Gage. Starte umsonst und gehe nach einigen Veranstaltungen auf 50 € hoch, dann 100 €, dann 200 €, 400 € etc…

6. Nutze dein Netzwerk 

Wie bereits in #4 erwähnt, solltest du Veranstaltungen anschreiben, die zu deinen Themen passen. Diese Sache solltest du einfach proaktiv angehen.

Gehe auf Veranstaltungen und sei nicht schüchtern über dein Wissen zu sprechen. Wenn du meinst, jemand könnte dich und dein Wissen gebrauchen, biete ihnen an auf ihrer Veranstaltung zu sprechen.

Für viele, auch für mich, ist es eine Ehre auf der TEDx zu sprechen. Ich wurde damals angeschrieben, aber du kannst diese Events auch einfach anschreiben. Wenn du siehst, dass es ein TEDx Event in der Nähe gibt, schreibe die Veranstalter an, schicke ihnen dein Rednerprofil und sage ihnen, dass du dich freuen würdest, wenn sie sich bei dir melden. Es mag vielleicht nicht für die nächste Veranstaltung passen, aber vielleicht für das Thema darauf. 

7. Betreibe geniales Marketing

Wie kannst du als Redner geniales Marketing betreiben? Über meine Veranstaltungen, sprich wo ich schon so auf der Bühne gestanden habe, wirst du recht wenig auf irgend einer Webseite finden. Ich habe kein Portfolio von meinen Speaking Gigs. Was ich habe? Ich habe Fans und ein Publikum!

Geniales Marketing ist, wenn du eine klare Nachricht so gut und auf den Punkt rüber bringst, dass sie nicht ignoriert werden kann. Denn dann reden die Menschen automatisch über dich. Und was ist besseres Marketing als Word of Mouth? Keines!

Fast alle Veranstaltungen, die mich jedes Jahr anfragen, und das sind ca. 25 bis 30 Stück, kommen auf mich zu, weil ihnen jemand erzählt hat, dass ich irgendwo, irgendwann mal einen super Vortrag abgelegt habe, der sie so berührt und motiviert hätte. Eine der wenigen Vorträge, die du über mich im Internet findest, ist mein TEDx Talk, welcher schon über 15.000 Views hat.

Das heißt: Sei so gut, dass sie dich nicht ignorieren können! Kannst du das? 

8. Sei geduldig

Mach dir klar, dass du dir als Redner ein Business aufbaust und jedes Business braucht Zeit, damit es läuft. Es kann locker 2 bis 3 Jahre dauern, bis du regelmäßig als Redner gebucht wirst.

Auch bei mir hat es einige Zeit gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich immer öfter und regelmäßiger als Redner gebucht werde. Heute, 3 Jahre seit dem ich selbstständig bin, ist das Reden auf Veranstaltungen ein weiterer Einkommenszweig von dem ich gut leben kann.

Fazit:

Setze dich hin und überlege dir ganz klar ein Thema über das du in Zukunft auf Veranstaltungen sprechen kannst und willst, erstelle ein Video und ein Rednerprofil und positioniere dich als professioneller Redner. Sei bereit auch umsonst zu arbeiten und dir über längere Zeit einen Namen aufzubauen und liefere unschlagbar gute Reden ab, damit die Menschen über dich sprechen und dich nicht ignorieren können. Dann wirst du mehr und mehr als Redner gebucht und auch immer mehr bezahlt!

 Hast du vor als Redner gebucht zu werden?  

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Bild: DepositPhotos.com – mihtiander

6 Kommentare

  1. Hi,
    vielen Dank für den interessanten und aufschlussreichen Artikel!

    In einem Punkt möchte ich eine persönliche Erfahrung anmerken, nämlich im Punkt 5 „Starte umsonst“. Sicher muss man schon mal ohne Gage auf die Bühne gehen, weil man ja – wie du auch schreibst – indirekt Geld oder anderweitig Kunden und Umsätze bekommt. Oftmals habe ich auch bezahlt, um irgendwo reden zu dürfen – das hat sich dann aber als Investition auch gelohnt. Dem stimme ich vollkommen zu. Allerdings habe ich eher die Erfahrung „Mach’s umsonst oder nimm richtig Geld“. Will sagen, man sollte den Ertrag aus den Folgegeschäften generieren, oder, wenn da nichts zu erwarten ist, eine richtige Gage aufrufen.

    Der Volksmund sagt „Was nix kost‘ is auch nix!“ und hat da oft recht – wie viele versuchen für 50 oder 100 Euro auf eine Bühne zu kommen?! Seit ich in meinem beruflichen Umfeld dazu überging, einfach einen Tagessatz zu nennen, der einer ordentlichen und angemessenen Bezahlung für den Gegenwert der Information darstellt, wurde ich nicht nur angefragt, sondern auch gebucht. Und zwar ohne Diskussion. Offenbar hatte hier die Mundpropaganda übermittelt, dass man eine gute Leistung für gutes Geld bekommt. Und das ist auch eine feine Sache!

    Weiterhin viel Erfolg!

    Matthias

    • Hallo Matthias,

      danke dir für diesen Kommentar. Ich selbst habe noch nie für einen Vortrag bezahlt aber würde es auch als Investition sehen, wenn ich dies machen würde.

      Ich stimme dir übrigens auch voll zu einen ordentlichen Tagessatz für deine Leistungen zu nehmen und nicht nach Taschengeld zu fragen!

      Lg,

      Sebastian

  2. Moin,

    netter Artikel, der Titel verwirrt mich nur etwas. Sieben ist eine sehr sympathische Zahl, Du hast allerdings 8 Punkte aufgezählt 😉

    Ansonsten weiter so und viel Erfolg.

    VG
    Carsten

  3. Hi Sebastian,

    dieser Artikel bewegt etwas in mir. Ich habe aus meiner Berufserfahrung einiges vorzuweisen in Sachen Selbst- und Zeitmanagement. Vor allem als Abteilungsleiter eines jungen Haufens, der sich am Markt positionieren will, sind da einige Dinge zu meistern. Aus dem, wie weit ich mein Team bekommen habe, möchte ich eine Essenz schöpfen und es an andere weitergeben. Und dein Artikel hat mir den Schub gegeben einen persönlichen roten Faden zu ziehen.

    Bitte mehr!

    Grüße aus Forchheim,
    Stefan

    PS: Als digitaler Nomade kann man auch nach Oberfranken kommen – wenn du in der Gegend bist zeige ich dir gerne unsere weltweit bekannte Bierkultur 🙂

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